Willkommen
im historischen Schlosspark in Sławików (Slawikau),
einem Ort, der ein stummer Zeuge der Geschichte des Dorfes, seiner Einwohner und der einstigen Besitzer ist. Der Park ist Teil des ehemaligen Schloss- und Parkkomplexes. Im Jahr 1831 erwarb Baron Ernst von Eickstedt das Gut in Slawikau. Die Familie von Eickstedt war über Generationen hinweg mit Slawikau verbunden. In der Erinnerung der hiesigen Bevölkerung blieb sie als eine von den Einwohnern hochgeachtete Familie verankert. Auf dem Gut arbeiteten ganze Generationen von Familien aus Slawikau und die erhaltenen Zeugnisse zeugen von der Güte und Fürsorge der Besitzer für ihre Arbeiter. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Geschichte, als die Eickstedts anlässlich der Ersten Heiligen Kommunion für die Festkleidung des Kindes ihres Stellmachers sorgten und es „von Kopf bis Fuß“ neu einkleideten. Die Familie von Eickstedt blieb bis 1945 im Besitz des Gutes. Auf dem Parkgelände befindet sich die Friedhofskapelle, das Mausoleum der Familie von Eickstedt, das ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte dieses Ortes darstellt. Erinnern wir uns beim Spaziergang durch den Park daran, dass wir auf den Pfaden der Geschichte wandeln.
PARKORDNUNG
- RESPEKT GEGENÜBER DER GESCHICHTE: Bitte respektieren Sie den historischen Charakter des Parks und die erhaltenen historischen Elemente.
- RESPEKT GEGENÜBER DER GEDENKSTÄTTE: Wahren Sie in der Nähe der Friedhofskapelle Ruhe, Würde und Respekt.
- NATURSCHUTZ: Beschädigen Sie keine Bäume, Sträucher, Blumen oder sonstige Elemente des Parks.
- SAUBERKEIT: Hinterlassen Sie keinen Müll. Bitte entsorgen Sie Abfälle ausschließlich in den dafür vorgesehenen Behältern.
- RAUCHVERBOT: Das Rauchen von Zigaretten, Tabakwaren und E-Zigaretten ist auf dem gesamten Gelände untersagt.
- ALKOHOLVERBOT: Der Konsum von alkoholischen Getränken ist nicht gestattet.
- KEIN OFFENES FEUER: Das Entfachen von Lagerfeuern, Grillen sowie jegliche Verwendung von offenem Feuer sind strengstens verboten.
- HUNDEHALTUNG: Führen Sie Hunde bitte stets an der Leine und beseitigen Sie den die Hinterlassenschaften des eigenen Tieres unverzüglich.
- SICHERHEIT: Das Befahren des Parks mit Kraftfahrzeugen ist verboten. Bitte beachten Sie die Kennzeichnungen und halten Sie sich an diese Parkordnung.
- RESPEKT GEGENÜBER DER RUHE: Ohne vorherige Genehmigung des Verwalters ist es untersagt, Feierlichkeiten, Veranstaltungen oder Fotoshootings zu organisieren sowie Verkaufsstände oder sonstige Aufbauten zu errichten.
Schloss Slawikau – das Herz der Residenz
VOM MONUMENTALEN SITZ ZUR RUINE
Die Geschichte des Gutshauses in Sławików (Slawikau) reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit war Jan Gottlob von Drechsler dessen Besitzer. Später ging der Besitz in die Hände der Brüder Friedrich und Karl von Ingersleben über. Im Jahr 1795 erwarb Adolf von Eichendorff – der Vater des berühmten Dichters Joseph von Eichendorff – das Anwesen für 106.000 Taler. Im Jahr 1831 wurde Ernst von Eickstedt für eine Summe von 62.000 Talern der Herr auf Slawikau. In den Jahren 1856–1865 wurde das Schloss im eklektischen Stil mit Elementen der Neorenaissance und des Klassizismus umgebaut, was ihm eine beeindruckende, repräsentative Gestalt verlieh. Das stattliche Gebäude zeichnete sich durch seine außergewöhnliche Größe aus – es war so konzipiert, dass es 100 Gemächer beherbergen konnte.
DAS GEHEIMNIS DER 99 GEMÄCHER UND DAS STEUERRECHT
Mit dem Schloss war eine durchdachte Strategie der einstigen Besitzer verbunden: Offiziell wurde angegeben, dass die Residenz nur über 99 Gemächer verfüge, wobei einer der Räume bewusst unvollendet blieb. Dies lag keineswegs an einem Mangel an finanziellen Mitteln, sondern am damaligen Recht – Gebäude mit 100 oder mehr Räumen unterlagen wesentlich höheren Steuern sowie der Pflicht zur Aufnahme und Einquartierung von Militär. Durch die Deklaration von 99 bezugsfertigen Sälen schützte das Geschlecht von Eickstedt wirksam seine Privatsphäre und sein Vermögen.
DIE GOLDENEN JAHRE DER RESIDENZ
Das Gut in Slawikau war nicht nur das Verwaltungszentrum der umliegenden Ländereien, sondern auch ein pulsierendes Zentrum des Kultur- und Gesellschaftslebens. Es wurde von hochangesehenen Gästen aus ganz Schlesien besucht und war berühmt für seine erlesenen Empfänge, Kunstsammlungen sowie für die von Generation zu Generation weitergegebenen Jagdtraditionen.
KRIEGSENDE UND GEGENWART
Während der Kämpfe um den Oderübergang im Frühjahr 1945 wurde das Schloss nur geringfügig beschädigt. Der eigentliche Untergang der prachtvollen Residenz setzte nach dem Krieg ein – als Folge gezielter Plünderungen und Verwüstung, die unter Duldung der damaligen Volksmacht stattfanden, verfiel das Gebäude allmählich zur Ruine. Heute befindet sich das Bauwerk in einem gesicherten Zustand, und seine majestätischen Mauern erinnern nach wie vor an die einstige Pracht und das architektonische Können seiner Erbauer.
Lokale Legenden und Sagen.
Slawikauer Schauergeschichten mit einem Hauch von historischem Geheimnis.
- MITTELALTERLICHE FISCHER UND DIE URSPRÜNGLICHE KAPELLE.
Die Legende besagt, dass im 10. Jahrhundert drei Fischer am östlichen Rand des heutigen Dorfes eine kleine, hölzerne Kapelle zu Ehren des Heiligen Georg errichteten, als Votivgabe zum Dank für ihre wundersame Rettung während eines heftigen Hochwassers der Oder, deren Strömung direkt am historischen Schlosshügel vorbeifließt. Die Figur des Bischofs (der als der Heilige Adalbert identifiziert wurde), die sich auf der Spitze eines Seitenaltars in der Kirche von Slawikau befindet, hält in der linken Hand einen Krummstab, während sie in der rechten ein Ruder führt. Die Einwohner von Slawikau glauben seit Generationen, dass dieses Ruder ein Geschenk jener drei Fischer war.
- DER TATARENEINFALL: DIE GLOCKE UND DAS VERSTECKTE SCHWERT.
Im Jahr 1241 nahmen die tatarischen Invasoren Przemek gefangen, den Küster von Slawikau, der seine Frau Dobrochna und den 8-jährigen Sohn Sławek im Kirchturm versteckt hatte, während er selbst Sturm läutete, um das Dorf zu warnen. Dobrochna starb durch tatarische Pfeile. Der verwaiste Junge irrte jahrelang als Bettler durch die Wälder. Als er nach Jahren in das wiederaufgebaute Slawikau zurückkehrte, begann die Kirchenglocke, die zuvor niemand hatte ins Schwingen bringen können, von selbst zu läuten. Sławek starb vor Erschöpfung unter dem Kirchturm. In dem Moment, als sein Leichnam während der Beerdigung im Grab zur Ruhe gebettet wurde, gab die Glocke einen letzten, jämmerlichen Ton von sich und zersprang aus großem Kummer in drei Teile. *
Eine andere Legende besagt, dass im Jahr 1241 die vor den Tataren fliehenden ruthenischen Ritter in der Umgebung von Slawikau eine Reliquie versteckten – das Schwert des Heiligen Georg – das bis heute irgendwo in der Nähe der ehemaligen kleinen Kirche ruht und auf einen Entdecker wartet.
*Die kleine Holzkirche von Slawikau wurde im Jahr 1223 vom Breslauer Bischof Laurentius geweiht. Das Kirchengebäude wurde samt dem Glockenturm ohne Glocke im Jahr 1849 nach Zabełków (Zabelkau) verlegt.
III. DAS WEISSE SCHLOSS.
In längst vergangenen Zeiten erhob sich inmitten der Wälder und Felder von Slawikau das Weiße Schloss. Es wurde von einem mächtigen königlichen Marschall und seiner Gemahlin bewohnt – einer Ausländerin mit Haaren so blond wie Flachsgarn. Obwohl sie im Überfluss lebten, quälten das Herz der Gattin des Marschalls eine unerklärliche Sehnsucht und tiefe Traurigkeit. Der Marschall, der seine Frau über alles liebte, wollte ihr wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Er ließ kristallklares Wasser aus den reinsten Quellen für sie herbeischaffen und befahl, Nachtigallen zu bringen, damit ihr Gesang ihren nächtlichen Schlaf besänftigte. In seiner Hingabe ging der Ritter so weit, dass er den Verstand verlor – er versuchte, die Sonnenstrahlen für seine Geliebte einzufangen, was er mit der völligen Erblindung bezahlte. Obwohl vom Weißen Schloss keine Spur geblieben ist und die Stelle später mit Rapsfeldern überwachsen war, verlieh diese Legende den Anfängen von Slawikau einen märchenhaften und mystischen Charakter.
- JOSEPH VON EICHENDORFF UND DIE „GRAUE DAME “.
Bevor der Besitz in Slawikau in den Besitz der Familie von Eichstedt überging, gehörte er der Familie von Eichendorff. Mit diesem Ort ist eine außergewöhnliche Erzählung über den berühmten Dichter Joseph von Eichendorff verbunden. Einer überlieferten Legende nach beschlossen der Dichter, ein Graf und ein Diener in einer Gewitternacht abzuwarten, dass das Erscheinen einer Erscheinung in grauer Kleidung und Umhang geschah, die angeblich das Schloss besuchte und durch die eiserne Tür schlüpfte, die niemand zu öffnen vermochte.Die Gestalt erschien tatsächlich. Der Diener, sich der Situation nicht bewusst, eilte mit einer Lichtquelle herbei, um ihr den Weg zu leuchten. Die Dame wies ihm die Richtung und gab ihm zu verstehen, das er ihr folgen sollte. Gemeinsam mit dem Diener verschwand sie hinter der Tür. Kurz darauf war nur noch ein entsetzter Schrei des Dieners zu hören, dann herrschte Stille. Bei der Rückkehr mit einer neuen Kerze fand man nur die Leiche des verstorbenen Dieners vor; die eiserne Tür war wieder fest verschlossen
- DIE SCHLOSSMONSTER.
Die einheimische Bevölkerung mied Spaziergänge rund um die Residenz aus Angst vor „Monstern“– Menschen mit deformierten Gliedmaßen und krankheitsbedingten Gebrechen, die angeblich in einigen Zimmern des Schlosses hausten und denen man jegliches Unheil sowie alle Tragödien im Dorf zuschrieb.
Die obigen Erzählungen stellen lokale Legenden, Volkssagen und Motive dar, die in der alten mündlichen Überlieferung der Region Ratibor (Racibórz) verwurzelt sind.
Die Friedhofskapelle – das Mausoleum der Familie von Eickstedt
RUHESTÄTTE UND GEDENKORT:
Die neugotische Kapelle aus dem 19. Jahrhundert ergänzt als Familienmausoleum den örtlichen Friedhof. In ihrer Gruft wurden die Verstorbenen der Familie von Eickstedt beigesetzt, darunter Baron Ernst von Eickstedt, der 1865 verstarb. Unter seiner Ägide wurde die neue St.-Georgs-Kirche in Sławików (Slawikau) errichtet. Die Kapelle diente als sakrale und sepulkrale Gedenkstätte für das einflussreiche Geschlecht, das das Gut in Slawikau verwaltete.
ARCHITEKTUR UND SYMBOLE:
Das Bauwerk wurde aus rotem Ziegelstein errichtet und repräsentiert den Stil der englischen Neugotik. Seine Fassade und Mauern werden von charakteristischen Spitzbogenfenstern, Steinprofilen und reich verzierten Steinmetzdetails geschmückt. Unter den erhaltenen architektonischen Elementen verdient unter anderem eine der originalen Fialen – spitzzulaufende, zierende Türmchen, die das Bauwerk stützen – besondere Beachtung; sie krönt einen der Giebel und zeugt von der einstigen Eleganz der Kapelle. An der Rückseite des Gebäudes befindet sich der Zugang zur Grabgruft, und an der Fassade sind bis heute Spuren einstiger Verzierungen und Wappen sichtbar.
TRAGISCHES SCHICKSAL UND SCHUTZ:
Nach 1945 teilte die Kapelle das Schicksal des Schlosskomplexes: Sie wurde verwüstet, geplündert und verfiel zur Ruine. Derzeit werden Maßnahmen zu ihrer Sicherung und zum Erhalt als Gedenkstätte sowie als Kulturerbe der Region ergriffen.
Bitte wahren Sie an diesem Ort Ruhe und Respekt.
Wappen des Geschlechts von Eickstedt
Grünes Erbe von Slawikau.
Bäume, Garten und Orangerie der einstigen Residenz.
- DER KÖNIG DES PARKS – DIE AHORNBLÄTTRIGE PLATANE.
Dieser Baum ist ein lebendiges Denkmal der Geschichte Slawikaus, gepflanzt in den Glanzzeiten der Residenz.
- Einzigartigkeit: Er besticht durch seine majestätische Größe und die charakteristische, abblätternde Borke, die einzigartige, „marmorierte“ Muster bildet.
- Unterschlupf für das Leben: Der jahrhundertealte Baum weist natürliche Baumhöhlen und Spalten auf. Diese wurden zur Heimat für eine Fledermauskolonie, die hier einen sicheren Zufluchtsort findet.
- Die Kraft der Natur: Der Aufenthalt in der Nähe solch betagter Bäume ist eine Form des „Waldbadens“ (Shinrin-Yoku). Ihnen werden beruhigende, stresslindernde und vitalisierende Eigenschaften zugeschrieben.
- Wissenswertes: Platanen sind „Überlebenskünstler“ – sie kommen hervorragend mit schwierigen Bedingungen zurecht, weshalb sie oft Residenzparks schmückten.
- OASE DER BIODIVERSITÄT.
Der Park in Slawikau beheimatet eine Vielfalt an Arten, die ein einzigartiges Mikroklima schaffen.
- Mächtige Nachbarn: Hier finden Sie mächtige Stieleichen, Rotbuchen, Rosskastanien, Hainbuchen, Spitz- und Bergahorne, Birken, Japanische Magnolien, Gemeine Eschen, Schwarzkiefern, Vogelkirschen, Winter- und Sommerlinden sowie Flatterulmen.
- Frühlingserwachen: Im Frühling erblüht der Park in einem Teppich aus Bärlauch, dessen Duft und weiße Blüten ein unvergessliches Naturschauspiel bieten.
- Nutzcharakter: Der einstige Park war auch ein Ort der Arbeit und des Lebens. Die Mauerfragmente, an denen Sie vorbeigehen, sind Überreste der ehemaligen Einfriedung, die die Residenz von den landwirtschaftlichen Flächen trennte.
- Rosengarten und holländische Rosen: Im südlichen Teil des ehemaligen Schlosskomplexes befand sich ein terrassierter Rosengarten hinter einer mächtigen gemauerten Pergola, und direkt am Schlosseingang wuchsen wunderschöne holländische Rosen, die nach dem Krieg mitsamt der übrigen Ausstattung gestohlen wurden.
III. DIE ORANGERIE – DAS WINTERLICHE HERZ DES GARTENS.
Besonderen Eindruck hinterließ der Wintergarten, wo unter dem Familienwappen die Devise eingemeißelt war, die folgenden Generationen von Besitzern als Leitmotiv diente: „Stat robur in fide“ – Die Kraft liegt im Glauben. Die Orangerie war nicht nur ein Gebäude – sie war ein „Salon unter Glas“.
- Zweck: Sie diente der Überwinterung exotischer Pflanzen, die, die polnischen Winter nicht überstanden hätten. Sie war ein Zeugnis der hohen Gartenkultur der Besitzer von Slawikau.
- Spaziergang durch die Zeit: Einstige Alleen führten zwischen den Bäumen hindurch, und wohldurchdachte Sichtachsen ermöglichten es, das Schloss in seiner vollen Pracht zu bewundern. Heute lässt die vom Zahn der Zeit gezeichnete Orangerie mit etwas Fantasie ihren alten Glanz wiederauferstehen.



